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Euphemismus
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Ein Euphemismus (latinisierte Form von altgriechisch Î”áœÏ†Î·ÎŒÎŻÎ± euphēmĂ­a „Worte von guter Vorbedeutung“; letztlich zurĂŒckgehend auf Δ᜖ eu „gut“ und Ï†Î·ÎŒÎŻ phēmĂ­ „ich sage“)cite-ref-1[1] oder eine Beschönigung, auch Glimpfwort, Hehlwort, HĂŒllwort und VerbrĂ€mung, ist ein sprachlicher Ausdruck, der eine Person, eine Personengruppe, einen Gegenstand oder einen Sachverhalt beschönigend, mildernd oder in verschleiernder Absicht benennt.cite-ref-2[2]

Das semantische GegenstĂŒck zum Euphemismus ist der Dysphemismus (Kakophemismus). Dieser wertet das Bezeichnete ab und versieht es mit negativen Konnotationen.

Aufwertende, mĂ€ĂŸigende oder vertuschende Formulierungen kann man – auch unbewusst – aus verschiedenen Motiven verwenden, wobei auch mehrere gleichzeitig zum Tragen kommen können: In erster Linie will man bestehende Tabus und soziale Normen nicht brechen, AnstĂ¶ĂŸiges umgehen, GefĂŒhle von Sprecher und angesprochener Person schonen oder aus Eigennutz tĂ€uschen, tarnen oder Aufmerksamkeit wecken.

Beschönigendes Sprechen ist nicht auf eine bestimmte Sprache oder auf einen einzelnen Themenkreis beschrĂ€nkt, sondern findet sich ĂŒberall. Euphemistische AusdrĂŒcke werden im öffentlichen Bereich hauptsĂ€chlich in der Politik und in der Wirtschaft angewendet. Im Alltag kommen sie besonders hĂ€ufig bei Tabuthemen etwa im sexuellen und im FĂ€kalbereich sowie mit den damit zusammenhĂ€ngenden Örtlichkeiten, GegenstĂ€nden und Körperteilen vor. Auch in den Sinnbezirken von Krankheit und Tod empfindet man oftmals eine schonende Ausdrucksweise als angebracht. Des Weiteren finden sich zahlreiche Euphemismen beispielsweise auf religiösen sowie bestimmten sozialen und kulturellen Gebieten.

Der Bestand an Euphemismen ist im Wortschatz einer Sprache nur zu einem geringen Teil konventionalisiert. Mehrheitlich bestimmen die konkreten SprechumstÀnde (Redeanlass, Ort, soziale Gruppe und Redeabsicht), was als Euphemismus gilt und wann dieses sprachliche Mittel zum Einsatz kommt.

Contents

‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Funktionen von Euphemismen

Der Gebrauch von Sprache hat immer eine bestimmte Funktion. Kommt ein Euphemismus zum Einsatz, wird damit etwas Bestimmtes bewirkt; diese Wirkungen können umgekehrt aus der Sicht des Sprechers als Motiv dienen, zu einem solchen Ausdruck zu greifen. Eine einzelne solche sprachliche Wirkung muss dabei als Motiv nicht zwangslĂ€ufig von den anderen isoliert und allein fĂŒr die Verwendung eines Euphemismus verantwortlich sein. Meist können die Funktionen von Euphemismen nicht scharf voneinander getrennt werden, oft dominiert ein bestimmtes Motiv.

Aufwertung
Vielfach werden statt der eigentlichen Bezeichnungen fĂŒr eine Person, Sache oder Angelegenheit beschönigende ErsatzausdrĂŒcke hauptsĂ€chlich zum Zweck einer Aufwertung verwendet. Dadurch kann entweder das Bezeichnete selbst mit Absicht gewĂŒrdigt oder in ein besseres Licht gestellt werden, oder es wird der damit in Zusammenhang stehenden Person oder Personengruppe Höflichkeit und WertschĂ€tzung entgegengebracht. Solches ist etwa bei den sprachlichen Normen der Political Correctness der Fall.

Milderung und Schonung
Euphemismen können eine abschwĂ€chende Wirkung haben und das Gesagte weniger drastisch erscheinen lassen. Eine solche Verwendungsweise schont die GefĂŒhle der angesprochenen Person oder auch des Sprechers selbst und kommt dort zum Einsatz, wo Ehrerbietung, RĂŒcksichtnahme und Höflichkeit angebracht sind, also vorwiegend dort, wo bestimmte gesellschaftliche und kulturelle Konventionen und Normen eine solche RĂŒcksichtnahme erforderlich machen.

VerhĂŒllung, Tarnung und Vertuschung
Euphemismen dieser Art bezeichnen eine Sache oder einen Sachverhalt in der Weise, dass das eigentlich Gemeinte auf der Wortebene nicht – oder zumindest nicht vordergrĂŒndig – in Erscheinung tritt. Dies liegt vor allem bei strengen Normen und tabuisierten Inhalten vor oder dort, wo Sachverhalte bewusst verhĂŒllt werden sollen,cite-ref-3[3] um beispielsweise eine öffentliche Empörung zu verhindern, so etwa im öffentlichen Sprachgebrauch totalitĂ€rer politischer Systeme, wo dieses Mittel auch ausdrĂŒcklich als sprachpolitische Maßnahme eingesetzt wird, um letztlich die Angesprochenen bewusst beeinflussen zu können.

Themengebiete und Handlungsbereiche

Die Themengebiete und Handlungsbereiche, in denen Euphemismen eingesetzt werden, sind sehr zahlreich.cite-ref-4[4] Luchtenberg (1985) unterteilt die Bereiche, in denen Euphemismen zum Einsatz kommen, in folgende Sachgruppen:

‱ politischer Sprachgebrauch (mit Beispielen aus der Außen- und Innenpolitik sowie dem militĂ€rischen Bereich und dem Sprachgebrauch in der Zeit des Nationalsozialismus)
‱ ökonomischer Sprachgebrauch (mit Beispielen aus der Wirtschaftspolitik, aus Produktion, Verkauf und BeschĂ€ftigung sowie von Berufsbezeichnungen und anderem)
‱ gesellschaftlicher Sprachbereich (mit Beispielen aus unterschiedlichen sozialen Gebieten betreffend gesellschaftliche Normen und soziales Fehlverhalten)
‱ Religion (mit Behandlung von Sprachtabu, Aberglauben und christlicher Religion)
‱ Tod (Sterben, Totsein, Beerdigung und der Tod selbst)
‱ geistig-psychischer Bereich (Benennungen fĂŒr persönliche Eigenschaften und GefĂŒhle, Bezeichnungen fĂŒr „ich“)
‱ körperlicher Bereich (mit Beispielen fĂŒr Dinge der SexualitĂ€t, der Schwangerschaft und Geburt, der Krankheit und der Ausscheidung sowie fĂŒr Körperteile und anderes)
‱ Rauschmittel (mit Benennungsbeispielen fĂŒr den Alkohol oder das Rauschgift selbst, den Umgang damit und fĂŒr das Betrunken- oder Highsein)

Aus diesem Themenbereich sind unter anderem folgende euphemistische Gebrauchsweisen zu verzeichnen.cite-ref-5[5]

Religiöse und sittliche Normen und Tabus

In jeder menschlichen Gemeinschaft existieren Tabus sowie ethische und sittliche Normen, die zu bestimmten Dingen eine kaschierende oder zumindest mildernde Ausdrucksweise verlangen, sofern nicht fĂŒr gewisse Situationen ĂŒberhaupt ein gĂ€nzliches Sprechverbot besteht. Solche Normvorgaben können grundsĂ€tzlich alle Mitglieder einer Gemeinschaft betreffen, wie beispielsweise Rede- und Verhaltensvorschriften die SexualitĂ€t betreffend, oder auf bestimmte soziale Subgruppen wie soziale Schichtungen und Altersgruppen beschrĂ€nkt sein. Vieles, was als Norm angesehen und mit einem bestimmten sprachlichen Verhalten belegt wird, kann einer zeitlichen VerĂ€nderung unterliegen, wie etwa bezĂŒglich SexualitĂ€t, Hygienemaßnahmen, Schönheitsvorstellungen oder Art und Ausmaß der Selbstdarstellung. Dementsprechend ist es auch von der jeweiligen Epoche abhĂ€ngig, wann ein Euphemismus erwartet wird und was als ein solcher gilt.

Das gegenseitige VerhĂ€ltnis von Euphemismus und Tabu ist aber keine Eins-zu-eins-Beziehung. So kann in dem Themenbereich, in dem ein Euphemismus verwendet wird, ein Tabu bestehen. Dies ist aber nicht zwingend, denn Euphemismen können auch aus anderen GrĂŒnden zum Einsatz kommen. Umgekehrt muss ein Tabu nicht zwangslĂ€ufig mit einem Euphemismusgebrauch einhergehen, wie etwa in bestimmten sozialen Gruppen, in denen eine sonst ĂŒbliche Tabuisierung nicht der Regelfall ist. Beispielsweise werden des Öfteren untere soziale Schichten mit derben Redens- und Verhaltensweisen in Zusammenhang gebracht, sodass in solchen tatsĂ€chlichen FĂ€llen weit verbreitete Euphemismen vielfach nicht in der sonst ĂŒblichen Form verwendet werden. Auch können Tabus Schweigen, Leugnen oder anderes Vermeidungsverhalten zur Folge haben. Dies betrifft zum Beispiel Tabubereiche wie Inzest, Gewalt in der Familie oder HomosexualitĂ€t.

Religion und Aberglauben

Die ursprĂŒngliche Motivation, Euphemismen zu verwenden, liegt in der Existenz von Sprachtabus, die von Religion und Aberglauben herrĂŒhren. Grundlage dafĂŒr ist der Glaube, dass ein Wort und das damit Bezeichnete identisch seien, was in Redewendungen wie „Wenn man den Teufel nennt, kommt er g’rennt [her gerannt]“ ersichtlich ist. Um solche glaubensmĂ€ĂŸigen Tabus nicht zu brechen, werden Wörter und Formulierungen, die ein derartiges Thema direkt benennen oder unmittelbar darauf hindeuten, vermieden und stattdessen ErsatzausdrĂŒcke in Anspruch genommen. Ein Beispiel dafĂŒr sind etwa der „Gottseibeiuns“ oder „Leibhaftige“ als Bezeichnung fĂŒr den Teufel sowie Ersatznamen fĂŒr Gott („Vater im Himmel“, „Herr“, „AllmĂ€chtiger“ usw.) und fĂŒr Jesus („Heiland“, „Erlöser“, „Menschensohn“ statt „Gottessohn“). Solche Bezeichnungen werden meist nicht mehr als Tarnwörter empfunden, was zum einen auf einen generellen Abbau von religiösen Tabus zurĂŒckgefĂŒhrt werden kann und zum anderen darin begrĂŒndet liegt, dass im theologischen Bereich solche Wörter fĂŒr eine semantische Differenzierung des Bezeichneten sorgen.cite-ref-6[6] Das euphemistische Vokabular aus diesem Bereich ist sehr begrenzt, und es entstehen kaum Neubildungen, die sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen.

In der griechischen Mythologie finden sich auch euphemistische Beinamen, mit denen Gottheiten von notorischem Zorn besĂ€nftigt und geschmeichelt werden sollten, wenn man sie anruft oder auch ĂŒberhaupt ĂŒber sie redet oder schreibt. So heißen die drei Rachegöttinnen, Erinnyen, „die WĂŒtenden“, werden aber dennoch oft unzutreffenderweise Eumeniden, „die Wohlgesinnten“ gerufen.cite-ref-7[7]

SexualitÀt und Körperabsonderungen

Mehr oder weniger universell anzutreffen sind im körperlichen Bereich restriktive Normen fĂŒr das Benennen von Geschlechtsteilen, des Anus und des GesĂ€ĂŸes sowie deren biologischen Funktionen. Die Tabuisierung wird oft dadurch kenntlich, dass alltagssprachliche Wörter fehlen, die diese Körperregionen und -funktionen konnotations- und wertfrei bezeichnen. Vielmehr herrschen Vokabeln vor, die entweder als medizinisch-fachsprachlich, gespreizt, abgehoben und daher in vielen Situationen als lĂ€cherlich und unangebracht empfunden werden, oder die im Gegenteil als zu abwertend und vulgĂ€r gelten. Als Ausweg aus dem Benennungsdilemma werden daher oftmals fremdsprachliche AusdrĂŒcke oder – teils scherzhaft – kindliche Bezeichnungen herangezogen oder fĂŒr die gesamte Genital- und Analregion auch nur allgemeine Ortsbestimmungen wie „unten“ oder Ă€hnliche in Anspruch genommen, die so eine deutliche verhĂŒllende Komponente aufweisen. Auch die Bezeichnung „Unterleib“ kann gegebenenfalls eine solche Funktion erfĂŒllen.

Doch der gesamte sexuelle Bereich bringt aufwertende, tarnende und beschönigende (aber auch gegenteilig eine ganze Reihe abwertender) Ersatzbenennungen hervor: nicht nur fĂŒr die Körperteile selbst, sondern auch fĂŒr den Geschlechtsakt, fĂŒr Selbstbefriedigung, Prostitution, Geschlechtskrankheiten, fĂŒr alle damit zusammenhĂ€ngende Dinge und Orte sowie nicht zuletzt fĂŒr Fruchtbarkeit und Menstruation, Zeugung, Schwangerschaft und Geburt. Das Spektrum dieses Vokabulars ist Ă€ußerst reichhaltig und kann regional und zeitlich unterschiedlich sein.cite-ref-8[8]

Gesellschaftliche und kulturelle Normen

Gesellschaftliche Gruppen und Subgruppen haben teilweise eigene, den Ansichten und LebensumstĂ€nden entsprechende Regeln und Konventionen. Dazu gehören in der mitteleuropĂ€ischen Kultur Bereiche wie beispielsweise Alkohol und Alkoholkonsum, die finanzielle und soziale Lage einer Person, die partnerschaftliche Treue oder das Alter. Alle diese Gebiete verlangen je nach Situation einen rĂŒcksichtsvollen sprachlichen Umgang, um gegebenenfalls nicht das GefĂŒhl oder das Ansehen einer Person zu verletzen. Euphemistische Wörter und Umschreibungen haben daher den Zweck, das zu Sagende mildernd auszudrĂŒcken und weniger drastisch erscheinen zu lassen.

So wird von einer ansonsten angesehenen Person eher (möglicherweise hinter vorgehaltener Hand) gesagt, dass sie „trinkt“ als dass sie „ein SĂ€ufer ist“, was schon gegenteilig als dysphemistische Ausdrucksweise gilt. Auch der finanzielle und soziale niedrige Status einer Person oder Personengruppe kann euphemistisch zum Ausdruck kommen. Dies Ă€ußert sich etwa in der öffentlich verwendeten Phrase „sozial schwach“, die das zuvor gebrĂ€uchliche Wort „arm“ ablöste. Das Substantiv „Armut“ hingegen wird als Sachbezeichnung ohne nennenswerte Konnotationen weiterhin verwendet: „Armutspolitik“, „Armutsgrenze“. Aus dem Bereich der Partnerschaft und Ehe sind etwa die Wörter „fremdgehen“ und „Ehebruch“ als konventionalisierte sprachliche VerhĂŒllungen fĂŒr den außerehelichen Beischlaf zu sehen, wie auch „Beischlaf“ selbst seinen euphemistischen Charakter nur noch wenig erkennen lĂ€sst. Um das fortgeschrittene Alter einer Person sprachlich zu mildern, wird hĂ€ufig der sogenannte „absolute Komparativ“cite-ref-9[9] eingesetzt. Eine „Àltere“ Dame wird sprachlich nicht, wie das Wort allein vermuten ließe, Ă€lter, sondern jĂŒnger gemacht (indem die Steigerungsreihe „jung – Ă€lter – alt“ zugrunde gelegt wird), womit das hohe Alter relativiert wird. Im gegenteiligen Falle wird mit der Bezeichnung „ein jĂŒngerer Herr“ auf das erst kurze Leben des Mannes Bezug genommen, und es kann so gegebenenfalls seine geringere Lebenserfahrung sprachlich ausgeblendet werden bzw. diese als mögliche ErklĂ€rung fĂŒr ein bestimmtes Verhalten dienen.

Eine große Anzahl an Beschönigungen nehmen zu sozialen Normen die Bereiche persönliches Aussehen, Krankheit und Tod ein. Eine dicke Person wird heute hĂ€ufig als rund, krĂ€ftig gebaut oder Ă€hnlich bezeichnet. Auch findet das in eigentlicher Bedeutung der Einzelwörter keinen Sinn ergebende Wort vollschlank Anwendung;cite-ref-10[10] und das ursprĂŒnglich ebenfalls euphemistisch gegoltene Übergewicht wird hĂ€ufig durch Rubensfigur ersetzt. Damit soll die Bedeutung der geschĂ€tzten Werke des Malers Peter Paul Rubens, auf denen hĂ€ufig wohlbeleibte Damen abgebildet sind, auf die genannte Person ĂŒbertragen werden.

Nicht nur Milderung, sondern auch tabuistischer Charakter kennzeichnen den sprachlichen Umgang mit schweren Krankheiten (wie Krebs, der oftmals sprachlich auf die Krankheit reduziert oder auch ĂŒberhaupt nicht ausgesprochen wird) und mit dem Tod. Zahlreiche diesbezĂŒgliche Umschreibungen und Ersatzwörter finden sich in Parten, Todesanzeigen und Nachrufen. Allein die Formulierung Herr A. ist verstorben klingt in solchen FĂ€llen pietĂ€tvoller als zu sagen, er wĂ€re gestorben. HĂ€ufig findet sich im Bereich des Sterbens auch die Metapher des Schlafens, etwa wenn jemand seine Augen fĂŒr immer schließt, sanft entschlafen oder eingeschlafen ist; auch das EinschlĂ€fern von Tieren gehört hierher, wiewohl einschlĂ€fern auf den Menschen angewandt rein als Dysphemismus gilt.

Gesellschaftliches Ansehen von Berufen

Da ein gesellschaftlich höherer Status allgemein als besser angesehen wird,cite-ref-11[11] ist man zu bestimmten AnlĂ€ssen bestrebt, sich gut oder besser zu prĂ€sentieren. Dies erklĂ€rt das wiederholt anzutreffende PhĂ€nomen, einen Berufsstand oder eine Berufsbezeichnung mit aufwertenden Worten auszudrĂŒcken. So erfuhr nicht nur in der Umgangssprache die Putzfrau (oft nur scherzhaft) einen Aufstieg zur Raumpflegerin oder (ausschließlich scherzhaft) zur Parkettkosmetikerin, sondern auch in Gesetzestexten erhielt die KindergĂ€rtnerin mit der Aufwertung zur KindergartenpĂ€dagogin oder die Umbenennung der BĂŒrogehilfin in die Fachkraft fĂŒr BĂŒrokommunikationcite-ref-12[12] einen zumindest höheren Bedeutungsstatus.

WĂ€hrend die genannten Beispiele firmenĂŒbergreifend verwendet werden, gibt es auch firmenspezifische Euphemismen. So ließ sich etwa die Fastfood-Kette Subway den Begriff Sandwich Artist fĂŒr ihre Restaurantmitarbeiter als Eingetragenes Warenzeichen schĂŒtzen.cite-ref-13[13]

Solche euphemistischen AusdrĂŒcke, die auch bei einigen anderen Berufsbezeichnungen bestehen, sind nur ein spezieller Fall des vielfachen BemĂŒhens, die berufliche Arbeit besonders in formellen Situationen oder gegenĂŒber sozial Höhergestellten positiv zu vermitteln.

Politisch motivierte Tarnung

Sprachliche Tarnung als vordergrĂŒndiges Motiv existiert nicht nur im Aberglauben, mythischen Denken und auf dem Gebiet der Religion, sondern wird auch im politischen Bereich eingesetzt. Besondere Bedeutung kam ihr im deutschen Sprachraum zuletzt in den totalitĂ€ren Systemen des 20. Jahrhunderts zu. Sowohl das nationalsozialistische als auch das kommunistische Regime in der DDR verwendete Wörter, die ideologisch bedeutsame Angelegenheiten verbrĂ€mten. So sollte beispielsweise Umsiedlung oder Evakuierung in der Zeit des Nationalsozialismus die tatsĂ€chliche Vertreibung und Ermordung der jĂŒdischen Bevölkerung kaschieren.

In der Belletristik verarbeitet findet sich dieser Typus von politisch motivierter Tarnung im Roman 1984 von George Orwell, wo diese Art von Tarnsprache als „Doublespeak“ bezeichnet wird.cite-ref-14[14] Ein Beispiel fĂŒr sprachliche Umdeutung auf höchster Stufe ist darin die ins Gegenteil verkehrende Tarnbezeichnung Wahrheitsministerium fĂŒr eine Einrichtung, deren Aufgabe es ist, in den geschichtlichen Aufzeichnungen eine permanente Änderung von Fakten und vergangenen Ereignissen vorzunehmen und diese den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Dasselbe Benennungsmuster liegt real in der heute als völlig wertfrei angesehenen Bezeichnung Verteidigungsministerium vor, welche den frĂŒheren Namen Kriegsministerium ablöste.

Gruppenspezifische Verwendung

Euphemismen sind in den verschiedenen Sprachschichten und Sprechergruppen nicht in gleichem Ausmaß vorhanden. Die Fachsprachen der verschiedenen Berufe weisen weniger euphemistischen Gebrauch auf als die Umgangssprache, und in den verschiedenen Stilebenen wie dem vulgĂ€ren oder familiĂ€ren Sprachgebrauch und dem gehobenen Sprachstil ist unterschiedlich zu beurteilen, welche sprachlichen AusdrĂŒcke als Euphemismus gelten. Im Folgenden sollen einige Beispiele aus dem öffentlichen, fachsprachlichen und sondersprachlichen Bereich eine gruppenspezifische Gebrauchsweise verdeutlichen:

Öffentlicher Sprachbereich: Politik

Der Gebrauch einer beschönigenden Ausdrucksweise ist im politischen Sektor ein gĂ€ngiges PhĂ€nomen. DafĂŒr werden auch FachkrĂ€fte eingesetzt, die sogenannten Spin-Doctors. Im politischen Alltag werden – besonders wenn es darum geht, unbeliebte politische Maßnahmen erklĂ€ren oder Tatsachen mitteilen zu mĂŒssen – die Angelegenheiten in schöne Worte verpackt, um so deren Missliebigkeit sprachlich zu mindern und die Ablehnung seitens der BĂŒrger in Grenzen zu halten. So hatte beispielsweise der Ausdruck Sparpaket ursprĂŒnglich auch eine euphemistische Note, da das Wort Paket auch an ein Geschenk mit großer Schlaufe zu feierlichen AnlĂ€ssen erinnert und Angenehmes erwarten lĂ€sst. Dieser Bedeutungsanteil ist mittlerweile verloren gegangen und Sparpaket bzw. Paket ĂŒberhaupt ist schon lĂ€ngst zu einer konventionalisierten Metapher geworden, indem auch vom SchnĂŒren und AufschnĂŒren von Spar- und anderen Maßnahmenpaketen gesprochen wird.cite-ref-15[15]

Krieg und MilitÀr

Im politischen Alltag existieren solche beschönigenden Redeweisen auch auf etlichen Spezialgebieten. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war eine neutrale Sprachverwendung von Begriffen, die das Kriegswesen oder die Kriegspolitik explizit ansprachen, als sachbezogen akzeptiert.cite-ref-16[16] Im 20. Jahrhundert umging man zunehmend diese Bezeichnungen, da sie als anstĂ¶ĂŸig und belastet angesehen wurden, und setzte unverfĂ€nglicher klingende wie Wehr-, Verteidigungs- oder Sicherheitspolitik an ihre Stellecite-ref-17[17]. Der Begriff „Waffe“ erhielt im 21. Jahrhundert verschiedene diplomatische VerhĂŒllungen wie etwa „Wirkmittel“.

Euphemismen wie Kollateralschaden sind inzwischen beinahe zur Alltagsvokabel geworden. Das Wort bezeichnet im hier verwendeten Sinne eine mit einem militĂ€rischen Angriff einhergehende Zerstörung von zivilen Einrichtungen und die Tötung von Zivilpersonen; somit wird die verheerende Tat und die ihr zugrunde liegende Aggression zu einer Sache herabgemindert, die nebenher (lateral = ‚seitlich, nebenbei‘) und somit nur beilĂ€ufig passiert. Die Empörung der Öffentlichkeit, bei Aufkommen dieses Wortes, ĂŒber den Zynismus, der in diesem Wortgebrauch liegt, schlug sich darin nieder, dass der Ausdruck in Deutschland im Jahr 1999 zum Unwort des Jahres erklĂ€rt wurde. Der Begriff MilitĂ€rschlag wiederum ist in den letzten Jahren als verschleiernder Ausdruck fĂŒr Angriffskriege ĂŒblich geworden. Ein bezeichnendes Beispiel aus diesem Bereich ist ethnische SĂ€uberung, das stellvertretend fĂŒr Völkermord oder zumindest Vertreibung steht. Ein aktuelles Beispiel fĂŒr einen Euphemismus im Krieg ist Anti-IS-Einsatz.cite-ref-18[18]

Umweltverschmutzung

Mit dem erhöhten Umwelt- und Konsumbewusstsein ab den 1970er Jahren wurden auch Sachen mit euphemistischen AusdrĂŒcken belegt, die auf UmweltschĂ€den und auf die Bedrohung der Natur hinweisen. So wurde beispielsweise die stinkende und GegenstĂ€nde aus biologisch nicht abbaubaren Materialien enthaltende MĂŒlldeponie zum konnotativ neutralen Entsorgungspark, wie auch die sprachliche Neubildung entsorgen selbst – als semantisches GegenstĂŒck zu versorgen – auch zum verhĂŒllenden Ausdruck fĂŒr wegwerfen wurde. WĂ€hrend Entsorgungspark als Beschönigung in erster Linie den Betreibern zugutekommt, dient entsorgen auch den umwelt- und konsumkritischen Konsumenten als sprachliche Tarnung, wenn sie selbst etwas wegwerfen. Denn mit dem Wort entsorgen rechtfertigt man, dass mit dem Entledigen einer Sache kein Verstoß gegen die (gruppeninterne) Norm begangen wird, selbst nicht zur Wegwerfgesellschaft zu gehören. Doch auch das Wort entsorgen hat mittlerweile viel von der beschönigenden und tarnenden Komponente verloren und Alltagscharakter angenommen.

Technik

Ein Beispiel aus einem angrenzenden Sachbereich ist der Einsatz des Wortteiles Kern- anstelle von Atom- besonders in den 1970er Jahren. Da das Wort Atom mit negativen Assoziationen von Gefahren unterschiedlicher Art behaftet war (etwa Atombombe), wurde auf Seiten der BefĂŒrworter der friedlichen Nutzung der Atomkraft das Wort vermieden und bevorzugt von Kernkraft, Kernenergie, Kerntechnik gesprochen, sodass bereits anhand der Wortwahl ersichtlich war, welcher Seite man angehörte (ein Slogan der Gegner hingegen lautete Atomkraft nein danke). Zudem erinnerte gerade zu dieser Zeit des Erstarkens ökologischen Gedankenguts das Wort Kern – obwohl es aus der Fachsprache der Physik stammt – an natĂŒrliche Produkte wie Kernobst und lenkte so von den unliebsamen Nebenbedeutungen von Atom ab.cite-ref-19[19] Verwender der Bezeichnungen mit Kern- verweisen dagegen darauf, dass diese Formulierung physikalisch prĂ€ziser sei, da sich die entscheidenden VorgĂ€nge nur im Atomkern ereignen, nicht jedoch in der AtomhĂŒlle.cite-ref-20[20]

Nationalsozialismus

Weithin bekannt fĂŒr den intensiven Einsatz von Euphemismen ist die politische Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus.cite-ref-21[21] HĂ€ufig war hier das vorrangige Motiv die Tarnung, wie es etwa in der Verwendung des Wortes Euthanasie vorliegt. Das Wort steht „euphemistisch fĂŒr: Tötung geistig, psychisch, körperlich Behinderter, mit zunehmendem Einfluß der SS auch gesunder Unangepasster; ferner: Tötung arbeitsunfĂ€higer KZ-HĂ€ftlinge“.cite-ref-22[22] Allgemein bekannt ist auch das vielfach zitierte Beispiel Endlösung, das als Kurzform fĂŒr Endlösung der Judenfrage steht und die systematische Ermordung der jĂŒdischen Bevölkerung meinte.

Eine weitere Möglichkeit, im politischen Sprechen oder in der politischen Berichterstattung in den Medien mildernd oder tarnend zu wirken, ist beispielsweise der Einsatz von Wörtern, die typisch fĂŒr eine andere Stilschicht sind. So können etwa in Reden oder in politischen Berichten in Zeitungen statt derjenigen Wörter, die der politischen Bedeutsamkeit einer Angelegenheit gerecht wĂŒrden, solche AusdrĂŒcke eingesetzt werden, die familiĂ€r, flott und ungezwungen wirken und persönliche NĂ€he erzeugen. Die Folge davon ist, dass das Ausgesagte weniger ernst genommen wird und man sich dem Gesagten nĂ€her fĂŒhlt. Solches liegt beispielsweise vor, wenn Personen mit nationalsozialistischer Gesinnung salopp und abschwĂ€chend als Nazi-Hanseln tituliert werden.cite-ref-23[23] Hier liegt der paradox erscheinende Fall vor, dass mit einem eigentlichen Dysphemismus (abwertender umgangssprachlicher Ausdruck Hansel) ein euphemistischer Effekt (Milderung, AbschwĂ€chung) erzielt wird.

Ein organisierter und konsequenter Einsatz von Euphemismen im politischen und medialen Bereich kann letztendlich tatsÀchliche Manipulation und Meinungslenkung bedeuten. Denn neben TabubewÀltigung ist die beabsichtigte Beeinflussung anderer die wesentliche pragmatische Funktion des euphemistischen Sprachgebrauchs. Dabei darf diese Lenkung des anderen nicht nur aus negativer Sicht gesehen werden.cite-ref-24[24]

Fachsprachlicher Gebrauch: Wirtschaft

Auch im Bereich der Wirtschaft ist dort euphemistisches Vokabular gĂ€ngig, wo es um brisante Angelegenheiten wie ArbeitsplĂ€tze oder Preisgestaltung geht – also Dinge, die in politischen ZusammenhĂ€ngen stehen und die Existenz der Menschen berĂŒhren oder berĂŒhren können. Allgemein bekannt sind AusdrĂŒcke wie Freisetzung fĂŒr Entlassung, weil mit freisetzen das hochwertige Wort frei bzw. Freiheit und Frei-Sein anklingt und die negative Bedeutung von entlassen werden vermieden wird, oder Anpassen von Preisen und Preiskorrektur statt Preiserhöhung, weil damit das missliebige Erhöhen sprachlich ausgeblendet wird. Als Gewinnwarnung (mit dem positiv konnotierten Begriff „Gewinn“) werden nicht erreichte Ziele oder Verluste bezeichnet. Das gleiche Muster steckt hinter Minuswachstum.

BezĂŒglich des Personals von Unternehmen hatten Wörter wie Assistent und Mitarbeiter ursprĂŒnglich stark aufwertenden Charakter; sie sollen von der vergleichsweise einfachen oder weniger verantwortungsvollen TĂ€tigkeit und von der untergeordneten Position in der betrieblichen Hierarchie ablenken. Der österreichische Kabarettist Lukas Resetarits formulierte ironisch in einem seiner Programme in den 1990er Jahren als Sprechvorschrift fĂŒr Vorgesetzte: „Und immer schön ‚Mitarbeiter‘ sagen, nicht ‚Putztrampel‘!“cite-ref-25[25]

Andere Bereiche im Wirtschaftssektor, die oftmals einen beschönigenden sprachlichen Umgang erfordern, sind beispielsweise Preise. (Preis)gĂŒnstig und preiswert fĂŒr billig umgeht die mögliche Minderwertigkeit der Ware,cite-ref-r-mer-26-0[26] oder gegenteilig lĂ€sst etwas Besseres fĂŒr etwas Teures die finanzielle Belastung des Kunden nicht anklingen. Das persönliche Einkommen nennt man im mitteleuropĂ€ischen Kulturkreis meistens ĂŒberhaupt nur gegenĂŒber vertrauten Personen konkret, und in anderen FĂ€llen wird es mit beschönigender Sprache bedacht oder unterliegt sogar einem gewissen Sprachtabu. Allenthalben sind Euphemismen auch in der Werbung und im VerkaufsgesprĂ€ch anzutreffen, beispielsweise Transpiration statt Schweiß. Auch können hier bestimmte AusdrĂŒcke gĂ€nzlich vermieden werden. Beispielsweise war in den frĂŒhen 1970er Jahren das Wort Haarglanzmittel als Euphemismus fĂŒr HaarfĂ€rbemittel zu sehen, weil man zu jener Zeit das Erkennen von gefĂ€rbten Haaren oftmals als unangenehm empfand. Desgleichen wurde der Ausdruck Toilettenpapier vermieden und stattdessen etwa von Krepp oder von der Anzahl der BlĂ€tter gesprochen. Im Zuge dessen wurde vielfach auch im alltĂ€glichen Sprachgebrauch das Wort Rolle zum euphemistischen Ersatz.cite-ref-r-mer-26-1[26]

Speziell in VerkaufsgesprĂ€chen wird oft vermieden, stress­auslösende Reizwörter wie Preis, Kosten oder kaufen auszusprechen, stattdessen wird mit Ersatzfloskeln wie in ein Produkt investieren, Geld anlegen, Sie bekommen dafĂŒr
 etc. gearbeitet.

Sondersprachlicher Gebrauch: Soldatensprache

Bestimmte soziale Gruppen bedienen sich eines eigenen, sie kennzeichnenden Wortschatzes, mit dem sie sich bewusst von der Allgemeinheit abheben wollen und der fĂŒr die Mitglieder dieser Gruppe identifizierend wirkt. Die Soldatensprache ist dafĂŒr bekannt, dass sie in ihrem Jargon ein reichhaltiges Spektrum an tatsĂ€chlichen Euphemismen aufweist sowie an AusdrĂŒcken, die fĂ€lschlicherweise fĂŒr solche gehalten werden. Da der TĂ€tigkeitsbereich eines Soldaten immer wieder an bedrohliche Situationen fĂŒr Leib und Leben erinnert, werden Dinge und Angelegenheiten, die auf Verwundung und Tod hindeuten, als psychische Kompensation auf sehr oft derbe, zynische oder sarkastische Weise benannt. In vielen FĂ€llen ist es daher fraglich, ob bei solchen AusdrĂŒcken noch von einem Euphemismus, also von einer tatsĂ€chlichen Beschönigung gesprochen werden kann. Viele der soldatischen AusdrĂŒcke muten eher gegenteilig als Kakophemismen an, haben aber die Funktion eines Euphemismus, als verschleiernder Ersatz fĂŒr diejenigen AusdrĂŒcke zu stehen, welche die existenzbedrohenden Dinge und Situationen direkt benennen.

Diese jargonhafte Sprechweise ist in der Welt des MilitĂ€rs auch auf anderen Gebieten des soldatischen Lebens als nur dem des Kampfes anzutreffen. Viele der Bezeichnungen fĂŒr alltĂ€gliche und nichtkriegerische Angelegenheiten des Soldatenberufes benennen diese zwar auch mit anderen Wörtern, haben aber rein scherzhaften Charakter und können folglich nicht als Euphemismen gelten.cite-ref-27[27] Beispiele fĂŒr solche fĂ€lschlicherweise als Euphemismen gedachten AusdrĂŒcke,cite-ref-28[28] die zum Teil auch nur lokal oder zeitlich begrenzt verwendet werden könnten, sind etwa knitterfreier Zylinder fĂŒr Stahlhelm, Heilsarmee fĂŒr NATO-Truppen, Kanalarbeiterfrachtbrief fĂŒr Toilettenpapier oder ArgumentationsverstĂ€rker fĂŒr Waffe.

FĂŒr den Kampf und den Krieg betreffende Begriffe werden vielfach Wörter verwendet, die den militĂ€rischen Charakter und die damit verbundene Bedrohlichkeit und Gefahr ausblenden und daher trotz ihres scherzhaften oder zynischen Wesens sehr wohl als Euphemismen gelten. Beispiele dafĂŒr sind etwa Dauerregen fĂŒr Trommelfeuer, Grill und Handofen fĂŒr Flammenwerfer, Metallregen fĂŒr Flugzeugabsturz, Schneeballschlacht fĂŒr Handgranatenkampf und spucken fĂŒr schießen, aber auch den Gegner neutralisieren fĂŒr den Gegner kampfunfĂ€hig machen, töten. Der Euphemismus fallen fĂŒr im Krieg getötet werden ist in den allgemeinen Sprachgebrauch ĂŒbernommen worden, wo er den Status eines Fachausdrucks erlangt hat.

Sprachliche Formen des Euphemismus

AusdrĂŒcke, die man aus euphemistischen GrĂŒnden nicht verwenden will, können in vielfacher Weise umgangen bzw. ersetzt werden. GĂ€ngige Formen des Ersatzes sind dabei nicht nur Umschreibungen, der Einsatz von Fremdwörtern, Leerformeln und Metaphern sowie von Über- und Untertreibungen, sondern auch das Nennen eines Teils fĂŒr das Ganze, das Verwenden von Akronymen und AbkĂŒrzungen oder von Wortspielen, Reduplikationen oder ironischen AusdrĂŒcken.cite-ref-29[29] Aus diesem sprachlichen Angebot sind beispielsweise folgende anzutreffen:

AusdrĂŒcke aus Fach- und Fremdsprachen

Die bisherigen Beispiele zeigen die gĂ€ngige Variante, einen Ausdruck durch einen anderen Ausdruck aus derselben Sprache oder aus demselben Sprachbereich zu ersetzen. Daneben können Wortersetzungen auch aus einer Fachsprache oder aus einer Fremdsprache vorgenommen werden. Denn auch die Fremdsprachlichkeit von AusdrĂŒcken selbst kann einen aufwertenden oder verhĂŒllenden Charakter aufweisen und bei passenden Gelegenheiten sogar als Ersatzbezeichnungen fĂŒr tabuisierte Dinge eingesetzt werden.cite-ref-havers-30-0[30] Milderung und VerhĂŒllung verschaffen beispielsweise die aus der medizinischen Fachsprache stammenden lateinischen oder griechischen Fachvokabeln fĂŒr die SexualitĂ€t und die Geschlechtsteile, so etwa im Falle von Koitus, von Penis und Vagina (wobei die Bedeutung von letzterem Wort vielfach mit der von Vulva verwechselt wird) oder von Hymen fĂŒr das JungfernhĂ€utchen. Das semantische Gegenteil ist ebenfalls nicht auszuschließen: So wird beispielsweise kopulieren fĂŒr den Geschlechtsakt bei Menschen eher abwertend verstanden.
Aufsehen erregte der von der britischen Gesundheitsministerin Anne Milton gemachte Vorschlag, dass dicke Personen von Ärzten nicht fachsprachlich als adipös (=obese) (dickleibig), sondern bewusst als fett (=fat) bezeichnet werden sollen, um so die sprachliche VerhĂŒllung zu entfernen und das SelbstverantwortungsgefĂŒhl der Patienten fĂŒr den eigenen gesundheitlichen Zustand zu fördern. Eine Diskussion um die Wertigkeit des Wortes fett war eine der Folgen.cite-ref-31[31]

Aus sprachhistorischer Sicht ist das PhĂ€nomen zu beobachten, dass viele, nunmehr als völlig normal betrachtete AusdrĂŒcke fĂŒr tabuisierte Dinge wie gefĂ€hrliche Tiere, Geister, DĂ€monen und der Teufel, Dinge den Tod betreffend nicht aus der eigenen Sprache stammen, sondern schon zu frĂŒhen Zeiten als euphemistischer Ersatz aus anderen, meist benachbarten Sprachen ĂŒbernommen worden sind.cite-ref-havers-30-1[30]

Allgemein bekannt ist das derzeitige hohe Image des Englischen, das in vielen Bereichen Anwendung findet. AusdrĂŒcke aus der englischen Sprache werden im Deutschen heute hĂ€ufig etwa auf technischem Gebiet und in der Wirtschaft als Fachtermini ohne nennenswerte Bedeutung angewendet. Eher scherzhaft zu verstehen ist die Bezeichnung Facility Manager fĂŒr Hausmeister, womit eigentlich der Studiengang des Facility Management gemeint ist. Das aufwertende Moment englischer AusdrĂŒcke kommt aber dann zum Tragen, wenn solche Bezeichnungen aus der Fachsprache in die allgemeine Umgangssprache Eingang finden, wie es etwa bei den seit einiger Zeit ĂŒblichen Benennungen fĂŒr Funktionen in wirtschaftlichen Unternehmen der Fall ist. AusdrĂŒcke wie Chief Executive Officer fĂŒr Vorstandsvorsitzender oder GeschĂ€ftsfĂŒhrer, Customer Service Representative fĂŒr Kundenbetreuer, Sales Manager fĂŒr Verkaufsleiter oder Key Account Manager im Wesentlichen fĂŒr Großkundenbetreuer sollen, wenn sie im deutschsprachigen Raum angewendet werden, internationale Ausrichtung und große Bedeutung des Unternehmens demonstrieren. Daher werden solche Bezeichnungen dort in Anspruch genommen und ihre euphemistische Wirkung ausgenutzt, wo sich ein Unternehmen der breiten Öffentlichkeit prĂ€sentieren kann wie etwa in Stellenanzeigen in Tageszeitungen.cite-ref-32[32]

Nicht nur in der Wirtschaft oder in der Technik, sondern auch im sprachlichen Alltag dienen englische Wörter vielfach zur Betonung und Aufwertung des Gesagten. Allein die englische Aussprache eines Wortes wie Klub als club oder der Einsatz von Event fĂŒr Veranstaltung, Ereignis, soll das Bezeichnete in einem besseren Licht erscheinen lassen. Auch will man sich damit gegebenenfalls internationaler, also bedeutsamer oder moderner und zeitgemĂ€ĂŸer geben. So wirkt das Wort Flyer wesentlich jugendlicher und frischer als Flugblatt.cite-ref-33[33] Ein mittlerweile gĂ€ngig gewordenes Beispiel dafĂŒr ist auch das Verwenden von City fĂŒr Innenstadt. Das bereits seit etlichen Jahrzehnten universell anzutreffende ok fĂŒr einverstanden, gut so hingegen hat seinen aufwertenden Charakter bereits verloren.

Die Bedeutung, die heute der englischen Sprache zukommt, hatte im 18. und 19. Jahrhundert das Französische. Hiervon ist bis heute lediglich der allgemeine Eindruck geblieben, dass bestimmte französische Wörter im Deutschen verwendet als feiner und gewĂ€hlter gelten; solche kommen jedoch kaum mehr zum Einsatz und andere zahlreiche bereits eingedeutschte französische Wörter werden – sofern ĂŒberhaupt noch als fremdsprachlich wahrgenommen – als bedeutungsneutral empfunden. Spuren der frĂŒheren aufwertenden Funktion des Französischen sind in EinzelfĂ€llen noch erkennbar. Beispielsweise wird es als eine gewisse Diskrepanz empfunden, wenn aus dem englischen Sprachraum kommende Fastfood-Ketten sich selbst als Restaurant bezeichnen, da das Wort eher an gehobene Esskultur erinnert als an eine schnelle und kulinarisch minderwertige Mahlzeit zwischendurch.

Schreibvarianten

Euphemistische Wirkung wird nicht nur durch die Wortwahl selbst, sondern fallweise auch durch die Schreibweise erzielt. Vielfach ist allein in der Schreibung von Wörtern eine beabsichtigte konnotative Steigerung erkennbar. Eine relativ hĂ€ufig anzutreffende Variante ist dabei, den Buchstaben K oder Z durch das international bzw. fremdsprachlich anmutende und als Zeichen rundere und geschmeidigere C zu ersetzen wie beispielsweise in (mittlerweile veraltet) Clo fĂŒr Klo mit beschönigendem und verhĂŒllendem Charakter oder wie in Centrum, Circus, Cigaretten und Erotic aus Motiven der Bedeutungserhöhung.cite-ref-34[34] Solche hyperkorrekten Schreibvarianten, wie es Erotic oder auch Technic darstellt und die auf eine beabsichtigte Aufwertung des Gesagten zurĂŒckzufĂŒhren sind, bilden einen fließenden Übergang zu den Hyperkorrekturen im eigentlichen Sinne (wie beispielsweise Dyplom statt Diplom), die aus der Annahme heraus entstehen, dass man mit einer derartigen Schreibung einer höheren Stilebene entsprĂ€che.

Auslassen, VerÀndern und Unkenntlichmachen von Wörtern

Des Weiteren kann auch das Weglassen von Wörtern (Ellipse) einer Beschönigung oder Milderung dienen. Solches liegt heute etwa bei Verwenden von Piktogrammen wie des MĂ€nner- und Frauensymbols oder der Bezeichnung „00“ auf Hinweisschildern und auf den TĂŒren von Toiletten im öffentlichen Bereich vor. (Letzteres geht angeblich auf Beherbergungsbetriebe zurĂŒck, die neben den Zimmernummern die allgemeinen Toiletten einer Etage mit der TĂŒrnummer 0 bzw. mit 00 versehen haben.)

Euphemistisch motiviertes Weglassen von Wörtern gab es in frĂŒherer Zeit (und gibt es in bestimmten ZusammenhĂ€ngen auch heute) in schriftlicher Konversation. So verzichtete beispielsweise Joseph Haydn wie zu jener Zeit ĂŒblich in seinen Briefen aus HöflichkeitsgrĂŒnden sehr hĂ€ufig auf das Wort ich, da dies bei ehrerbietendem Sprechen als zu streng und egozentrisch aufgefasst wurde.cite-ref-35[35] Dieses PhĂ€nomen wird auf ein magisches Sprachtabu zurĂŒckgefĂŒhrt und findet sich in der heute noch gelegentlich befolgten Regel, in herkömmlichen Briefen nicht mit ich zu beginnen.cite-ref-36[36] Auch die Verwendung von wir und des unpersönlichen es („es finden sich in Ihrer Arbeit Fehler“ statt „Ich habe Fehler gefunden“ oder „Sie haben Fehler gemacht“) und andere stilistische Verfahren sind auf das Vermeiden von ich – auch bei anderen kommunikativen Gelegenheiten – bzw. auf eine beabsichtigte Milderung eines sprachlichen Angriffs zurĂŒckzufĂŒhren.

Ebenso kann die Bildung von AbkĂŒrzungen in unterschiedlichen Varianten als Form einer Auslassung gesehen werden. Akronyme wie WC fĂŒr water closet und BH fĂŒr BĂŒstenhalter oder der im englischen Sprachraum gebrĂ€uchliche Ausdruck bra als abgekĂŒrzte Form des aus dem Französischen stammenden Wortes brassiere fĂŒr BĂŒstenhalter sind aus euphemistischen GrĂŒnden entstanden.cite-ref-37[37]

Das VerĂ€ndern von Wörtern zu euphemistischen Zwecken liegt in unterschiedlichen Formen vor. So kann beispielsweise eine Verkleinerungsform nicht nur eine Sache in kleinerer AusfĂŒhrung bezeichnen, sondern damit gleichzeitig die mit dem Wort verbundenen konnotativen Wirkungen verringern. Der Po bzw. Popo als Bezeichnung fĂŒr das GesĂ€ĂŸ, entstanden aus dem lateinischen Wort podex GesĂ€ĂŸ, kann zum Popscherl verkleinert und verniedlicht werden.cite-ref-38[38]

Auch lautliche Umstellungen, Kontaminationen oder andere VerĂ€nderungen von Wörtern können als Euphemismen dienen, weil damit ein Aussprechen der eigentlichen Bezeichnungen vermieden wird.cite-ref-39[39] Solches ist etwa aufgrund von Sprachtabus im religiösen Bereich bei FlĂŒchen (Sapperment fĂŒr Sakrament) und anderen Gelegenheiten (Herrjemine als Kontamination aus Herr Jesu Domine) zu finden.cite-ref-40[40]

Folgen des Gebrauchs von Euphemismen

Der wiederholte Einsatz von Euphemismen kann gewisse Folgen zu Bedeutungen der betroffenen Wörter und des Wortbestandes einer Sprache ĂŒberhaupt haben.

Semantische VerÀnderungen

Pejorisierung

Die linguistische These der Euphemismus-TretmĂŒhle besagt, dass jeder Euphemismus irgendwann die negativen Konnotationen seines VorgĂ€ngerausdrucks annimmt, mit anderen Worten, dass der aufwertende, beschönigende oder tarnende Charakter des Ausdrucks ĂŒber kurz oder lang verloren geht. Der Euphemismus wird dann oftmals sogar als Ironie oder Zynismus aufgefasst, seine Wirkung nutzt sich jedenfalls ab. Der euphemistisch verwendete Ausdruck unterliegt somit einer Pejoration, also einer Bedeutungsverschlechterung. In welchem Zeitraum dies geschieht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Als aktuelles Beispiel fĂŒr diesen Prozess ist das Wort Erotik zu nennen, das heute zum einen noch immer die feinfĂŒhlige Sinnesfreude bezeichnet (erotische Kunst), aber zum anderen vermehrt als Synonym fĂŒr Sex und Pornografie verwendet wird (Erotikmagazin, erotische Filme). Mit der wiederholten Tarnung des (in der Öffentlichkeit verpönten) Pornografischen und mit seiner Aufwertung zur Erotik erfahren die Wörter Erotik und erotisch ĂŒber kurz oder lang eine abwertende Bedeutungsverschiebung. – Derselbe Vorgang ist derzeit bei Abenteuer und Erlebnis zu verzeichnen. Diese Wörter werden von der Tourismusbranche zum Zwecke der Aufwertung ihrer Angebote so sehr in Anspruch genommen (Abenteuerurlaub, Erlebnispark usw.), dass die IntensitĂ€t von Abenteuer und Erlebnis stark nachlĂ€sst und die Wörter zur Bezeichnung von wahren Abenteuern und Erlebnissen kaum mehr ausreichen.

Im Zuge der Verringerung der tarnenden oder aufwertenden Funktion eines Euphemismus kann der entsprechende Ausdruck mit der Zeit einfach nur konnotativ neutral werden. So stellt das Wort BĂ€r, das ursprĂŒnglich im Althochdeutschen mit der Bedeutung Brauner als tarnender Euphemismus fĂŒr dieses wilde Lebewesen galt, heute eine Tierbezeichnung ohne nennenswerte Nebenbedeutungen oder BegleitgefĂŒhle dar. Ein weiteres Beispiel ist das im politisch-militĂ€rischen Bereich verwendete Wort AufklĂ€rung (auch etwa als Teil einer Komposition wie in AufklĂ€rungsflugzeug). UrsprĂŒnglich als tarnender Euphemismus fĂŒr Spionage (bzw. Spionageflugzeug) sollte das Wort die eigene SpionagetĂ€tigkeit sprachlich vertuschen, da die negative Bedeutung des Spionierens nur dem politischen Gegner zugeschrieben wurde. Heute gilt das Wort durch den hĂ€ufigen Gebrauch in den Medien als mehr oder weniger bedeutungsneutral.

Die Pejorisierung eines nicht mehr als Euphemismus gebrauchten Wortes kann aber auch so weit gehen, dass es zum abwertenden Dysphemismus wird. Beispiele dafĂŒr sind KrĂŒppel und Idiot, die ursprĂŒnglich einen körperlich bzw. geistig behinderten Menschen bezeichneten und heute fast ausschließlich als Schimpfwörter dienen. Derselbe Mechanismus liegt etwa bei den frĂŒher gebrĂ€uchlichen AusdrĂŒcken Kriegsministerium und Kriegsminister vor: Diese wurden im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Westdeutschland und der DDR wieder aufgegriffen. So bezeichnete der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR Walter Ulbricht den westdeutschen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß als Kriegsminister,cite-ref-41[41] und auch aktuelle Verwendungen dieses Wortes sind in diesem Sinne zu verzeichnen.cite-ref-42[42] BestĂ€rkt wird eine solche Redeweise durch die generell negative Beurteilung von Krieg.

VerÀnderungen im Wortschatz

Der stĂ€ndige Gebrauch eines euphemistischen Ausdrucks kann bewirken, dass die ursprĂŒngliche Bezeichnung ĂŒberhaupt nicht mehr verwendet wird und in der Folge aus dem Wortschatz einer Sprache verschwindet: Privet fĂŒr die Toilette oder Valant fĂŒr den Teufel gelten heute als untergegangene Wörter. Auch Abort fĂŒr das Klo ist heute nur noch wenig gebrĂ€uchlich.

Als Euphemismen werden unter anderem auch die Bezeichnungen „Rassenhygiene“ und „SĂ€uberung“ angesehen.

Euphemismus als universelles PhÀnomen

Euphemistischer Sprachgebrauch ist in vielen Sprachen aufzufinden. In der menschlichen Kommunikation sind nicht einzelne Wörter oder eine bestimmte Einzelsprache, sondern vorwiegend Faktoren, die außerhalb der Sprache liegen, dafĂŒr verantwortlich, wie man in bestimmten Situationen sprachlich in Erscheinung tritt. Solche außersprachlichen Faktoren, die eine euphemistische Redeweise erfordern können, sind in besonderem Maße

‱ Eigenschaften des menschlichen Naturells: die FĂ€higkeit zu religiösem Glauben, die Wahrnehmung von Tabus, das Vermögen sich empathisch in andere einzufĂŒhlen usw.
‱ Wahrnehmen des Lebens: Zeugung und Lebensanfang, Lebensbedrohung, Lebensende
‱ Erscheinungsbild des Menschen in der Gesellschaft: IntegritĂ€t, Sauberkeit, Anstand, WĂŒrde und Ansehen
‱ persönliches und kollektives EinschĂ€tzen und Verhalten: Konsum von Rausch- und Lebensmitteln, Paarverhalten, Verhalten zu Mitgliedern der eigenen Gemeinschaft und zu Fremden.
‱ persönliche Haltungen, Einstellungen und Absichten: PietĂ€t und Glaube, PrĂŒderie, Toleranz, willentliche Einflussnahme auf andere.

Die BerĂŒcksichtigung all solcher UmstĂ€nde macht daher euphemistischen Sprachgebrauch auf stets denselben Gebieten zu einer universell anzutreffenden Erscheinung.cite-ref-43[43]

Siehe auch
Literatur

‱ Keith Allan, Kate Burridge: Euphemism & Dysphemism. Language Used as Shield and Weapon. Oxford University Press, New York, Oxford 1991, ISBN 0-19-506622-7 (englisch).
‱ Keith Allan, Kate Burridge: Forbidden Words. Taboo and the Censoring of Language. Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-52564-0 (englisch).
‱ Michael Crombach: Euphemismus und Tabu. Phil. Diss., Salzburg 2001.
‱ Wilhelm Havers: Neuere Literatur zum Sprachtabu. Rudolf M. Rohrer, Wien 1946.
‱ R. W. Holder: A dictionary of euphemisms. Oxford University Press, Oxford 1995, ISBN 0-19-869275-7 (englisch).
‱ Elisabeth Leinfellner: Der Euphemismus in der politischen Sprache. Duncker & Humblot, Berlin 1971, ISBN 3-428-02536-9 (ausgearbeitete Fassung einer Schrift, die anlĂ€sslich eines Preisausschreibens der Deutschen Akademie fĂŒr Sprache und Dichtung 1968 erstellt wurde).
‱ Sigrid Luchtenberg: Euphemismen im heutigen Deutsch. Mit einem Beitrag zu Deutsch als Fremdsprache. Peter Lang, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-8204-5419-5 (Dissertation: UniversitĂ€t Bonn 1975 unter dem Titel: Sigrid Luchtenberg: Untersuchung zu Euphemismen in der deutschen Gegenwartssprache).
‱ Roberta Rada: Tabus und Euphemismen in der deutschen Gegenwartssprache. Mit besonderer BerĂŒcksichtigung der Eigenschaften von Euphemismen. Akad. KiadĂł, Budapest 2001, ISBN 963-05-7817-4 (Dissertation: UniversitĂ€t Budapest).
‱ Ursula Reutner: Sprache und Tabu. Interpretationen zu französischen und italienischen Euphemismen. Niemeyer, TĂŒbingen 2009, ISBN 978-3-484-52346-3.
‱ Reinhard SchlĂŒter: Das Schaf im Wortpelz. Lexikon der hinterhĂ€ltigen Beschönigungen. Eichborn, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-8218-5709-1.
‱ Reinhard SchlĂŒter: Schönsprech. Wie uns Politik und Lobby das Blaue vom Himmel erzĂ€hlen. Riemann, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-570-50176-4.
‱ Nicole Zöllner: Der Euphemismus im alltĂ€glichen und politischen Sprachgebrauch des Englischen. Peter Lang, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-631-31653-4 (Dissertation: UniversitĂ€t Hamburg 1997).

Weblinks

Wiktionary: Euphemismus

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wiktionary: HĂŒllwort

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Iris Forster: „Entschlafen“ und „Tarifanpassung“ – Euphemismen zwischen Höflichkeit und Manipulation. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 14. Oktober 2024.

Anmerkungen

cite-note-11. ↑ Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. MĂŒnchen/Wien 1965.
cite-note-22. ↑ Duden | Euphemismus. Abgerufen am 8. Mai 2025.
cite-note-33. ↑ Luchtenberg (1985) und Zöllner (1997) unterscheiden zwischen „VerhĂŒllen“ und „Verschleiern“ in der Weise, dass eine sprachliche VerhĂŒllung auch der angesprochenen Person bewusst ist, wĂ€hrend ein Verschleiern eines Umstandes mittels Euphemismen die angesprochene Person nicht erkennen soll.
cite-note-44. ↑ Eine umfangreiche Übersicht und mit einem weiten VerstĂ€ndnis des Euphemismusbegriffs bietet Sigrid Luchtenberg: Euphemismen im heutigen Deutsch 1985.
cite-note-55. ↑ Die Darstellung folgt nicht dem Schema Luchtenbergs.
cite-note-66. ↑ Vgl. Luchtenberg 1985, 91 f.
cite-note-77. ↑ Erinnyes. (Memento vom 27. MĂ€rz 2013 im Internet Archive) von Nick Pontikis (englisch)
cite-note-88. ↑ Eine diesbezĂŒgliche Sammlung ist: Ernest Bornemann: Sex im Volksmund. Der obszöne Wortschatz der Deutschen. 2 BĂ€nde, Rowohlt, Reinbek 1974. Es existieren davon auch neuere Ausgaben unter anderen Titeln.
cite-note-99. ↑ Vgl. Duden: Die Grammatik. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 1998, Regel 514.
cite-note-1010. ↑ Das Wort vollschlank ist in der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden, als voll-, aus der Wirtschaftssprache kommend, allgemein eine Intensivierung ausdrĂŒckte, wie etwa in den bis heute ĂŒblichen Wörtern Vollmilch, Volldampf oder vollinhaltlich. Vgl. Lutz Mackensen: Die deutsche Sprache unserer Zeit. Quelle & Meyer, Heidelberg 1956, S. 74.
cite-note-1111. ↑ Vgl. dazu die linguistische These der konzeptuellen Metapher, im Speziellen die grundlegende Metapher „oben ist besser“, in: George Lakoff, Mark Johnson: Leben in Metaphern. Carl Auer, Heidelberg 1998, ISBN 3-89670-108-8.
cite-note-1212. ↑ Vgl. die österreichische Rechtsvorschrift „Lehrplan des Kollegs fĂŒr KindergartenpĂ€dagogik“, Rechts-Informations-System (RIS), abgerufen am 30. August 2010.
cite-note-1313. ↑ SANDWICH ARTIST Trademark Information auf www.trademarkia.com
cite-note-1414. ↑ Vgl. dazu Zöllner 1997, S. 347 ff.
cite-note-1515. ↑ Stichwort Sparpaket. In: Oswald Panagl, Peter Gerlich (Hrsg.): Wörterbuch der politischen Sprache in Österreich. Österreichischer Bundesverlag, Wien 2007.
cite-note-1616. ↑ https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Johann_Wilhelm_VIII.
cite-note-1717. ↑ https://www.bayernkurier.de/inland/37450-verteidigungspolitik-ist-friedenspolitik/
cite-note-1818. ↑ MDR-Rundfunk, Juni 2017
cite-note-1919. ↑ Zum Sprachgebrauch der Kerntechnik vgl. Hartmut GrĂŒndler: Kernenergiewerbung. Die sprachliche Verpackung der Atomenergie – Aus dem Wörterbuch des Zwiedenkens. In: Hans JĂŒrgen Heringer (Hrsg.): Holzfeuer im hölzernen Ofen. AufsĂ€tze zur politischen Sprachkritik. Narr, TĂŒbingen 1982, ISBN 3-87808-965-1.
cite-note-2020. ↑ Manfred Köhler: "Atomkraft" oder "Kernkraft"? : Der Kampf um die Wörter, faz.net, 23. April 2010
cite-note-2121. ↑ Die Fachliteratur dazu ist reichhaltig. Als prominentes Beispiel fĂŒr die Beschreibung auf Wortebene gilt: Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. De Gruyter, Berlin 1998, ISBN 3-11-013379-2 bzw. als Taschenbuchausgabe 2. Auflage. 2007, ISBN 978-3-11-019549-1 (In diesem kommentierten Lexikon machen Euphemismen nur einen geringen Teil der Wortbeschreibungen aus). Vgl. auch LTI – Notizbuch eines Philologen.
cite-note-2222. ↑ Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. De Gruyter, Berlin 1998.
cite-note-2323. ↑ Helmut Gruber, Ruth Wodak: Österreich und seine „Nazi-Hanseln“. Vom massenmedialen Umgang mit Neonazismus und AuschwitzlĂŒge in Österreichs auflagenstĂ€rkster Tageszeitung. In: Ruth Reiher (Hrsg.): Sprache im Konflikt. de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-013958-8, S. 391–417.
cite-note-2424. ↑ Luchtenberg 1985, S. 179 ff.; Zitat S. 181.
cite-note-2525. ↑ Lukas Resetarits: „Alles zurĂŒck“, 1995.
cite-note-r-mer-2626. ↑ Vgl. Ruth Römer: Die Sprache der Anzeigenwerbung. 5. Auflage. Schwann, DĂŒsseldorf 1976, ISBN 3-590-15604-X, S. 195.
cite-note-2727. ↑ Insgesamt ist das soldatische Vokabular schon seit Jahrhunderten sehr bildhaft, originell, reich an variablen AusdrĂŒcken, und es bezieht sich auf mehr oder weniger sĂ€mtliche Lebensbereiche von Heeresangehörigen. Eine klare Abgrenzung des Soldatenvokabulars zu anderen Sondersprachen wie die von SchĂŒlern und Jugendlichen war und ist auch heute oft nur schwer zu bewerkstelligen. In dieses Bild einer allumfassenden speziellen Ausdrucks- und Benennungsweise passt auch der Umstand, dass sprachliche Beschönigung und VerhĂŒllung nicht auf ein scharf umrissenes TĂ€tigkeitsfeld von Soldaten begrenzt werden kann. Vgl. dazu Paul Horn: Die deutsche Soldatensprache. zweite wohlfeile Ausgabe. Töpelmann, Gießen 1905.
cite-note-2828. ↑ Diese und die nachfolgenden Beispiele wurden entnommen aus euphemismen.de, abgerufen am 13. Februar 2010.
cite-note-2929. ↑ Nicole Zöllner: Der Euphemismus im alltĂ€glichen und politischen Sprachgebrauch des Englischen. Peter Lang, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-631-31653-4, Kap. 5.
cite-note-havers-3030. ↑ Vgl. Havers 1946, S. 128 ff.
cite-note-3131. ↑ Vgl. den BBC-Bericht vom 28. Juli 2010, den Kommentar im „Guardian“ vom 1. August 2010, den Kommentar im 'Independent' vom 1. August 2010 sowie den Bericht im ORF vom 14. August 2010.
cite-note-3232. ↑ Dies ist nur ein aktuelles Beispiel fĂŒr den aufwertenden Sprachgebrauch in der Wirtschaftssprache, der in die Umgangssprache eindringt. Beispiele aus frĂŒherer Zeit, die demselben Muster folgen, finden sich in Lutz Mackensen: Die deutsche Sprache unserer Zeit. Quelle & Meyer, Heidelberg 1956, Kap. IV: Wirtschaft und Umgangssprache.
cite-note-3333. ↑ Dem könnte der Einwand entgegengebracht werden, dass Flyer in Form und optischer Gestaltung sich von herkömmlichen FlugblĂ€ttern oftmals stark unterscheiden und deshalb fĂŒr sie eine eigene Bezeichnung angebracht ist. Als Mediengattung sind sie aber identisch.
cite-note-3434. ↑ Circus kann sowohl als genuin lateinische Form oder als Internationalismus gewertet werden. (Das Wort wurde im 18. Jahrhundert wohl unter gegenseitiger Beeinflussung aus dem französischen cirque und dem englischen circus ins Deutsche ĂŒbernommen.) Das C in Cigaretten und Cigarren ist ebenfalls ein Relikt aus den Herkunftssprachen (Cigarren aus dem Spanischen im 18. Jahrhundert, Cigaretten aus dem Französischen im 19. Jahrhundert). Mit der Beibehaltung des C aus den Ausgangssprachen soll die besondere Bedeutung der Sache zum Ausdruck kommen. Erotic (im 19. Jahrhundert aus dem Französischen stammend und analog anderen Wörtern mit k) ist erst seit Ende des 20. Jahrhunderts unter Einfluss des Englischen mit c am Wortende anzutreffen. (Zu den etymologischen Angaben vgl. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. erarbeitet unter der Leitung v. Wolfgang Pfeifer, 7. Auflage. dtv, MĂŒnchen 2004)
cite-note-3535. ↑ Vgl. etwa Joseph Haydn: Gesammelte Briefe und Aufzeichnungen, hrsg. v. DĂ©nes Bartha. BĂ€renreiter, Kassel 1965.
cite-note-3636. ↑ Vgl. Luchtenberg 1985, 104 f.
cite-note-3737. ↑ Keith Allen, Kate Burridge: Euphemism and Dysphemism. Oxford 1991, S. 19.
cite-note-3838. ↑ Das Wort podex ist eine Ableitung vom lateinischen Verb pedere ‚furzen‘ und bedeutet eigentlich ‚der Furzer‘. Ob das Wort (möglicherweise ĂŒber Lateinschulen) zuerst als euphemistischer oder als rein scherzhafter Ausdruck ins Deutsche ĂŒbernommen wurde, ist in den etymologischen WörterbĂŒchern nicht verzeichnet. Die Wortform Popo wird als ein Wort aus der Ammensprache in Form einer KĂŒrzung des lateinischen Wortes mit gleichzeitiger Verdoppelung des gekĂŒrzten Ausdrucks verstanden. Es ist bereits ab dem 17. Jahrhundert nachweisbar. Die Kurzform Po ist im Zuge einer euphemistischen Erneuerung erst daraus im 20. Jahrhundert entstanden. Vgl. dazu Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. erarbeitet unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer. 7. Auflage. dtv, MĂŒnchen 2004; Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. bearb. v. Elmar Seebold. 24. Auflage. de Gruyter, Berlin 2002; Duden: Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 1989. Zur diminutiven Variante Popsch(erl) vgl. Crombach 2001.
cite-note-3939. ↑ Vgl. Havers 1946.
cite-note-4040. ↑ Vgl. Luchtenberg 1985.
cite-note-4141. ↑ So in einer Rede anlĂ€sslich des Baus der Berliner Mauer am 13. August 1961. Vgl. Herrschaft durch Sprache. Politische Reden. Stuttgart: Reclam 2005 (= Reclams Universal-Bibliothek Nr. 9501), ISBN 3-15-009501-8, S. 103.
cite-note-4242. ↑ So ergab eine Websuche auf google.at fĂŒr die Phrase Kriegsminister Rumsfeld fĂŒr den US-amerikanischen Verteidigungsminister (Secretary of Defense), Donald Rumsfeld, am 21. April 2010 fĂŒr den gesamten deutschsprachigen Raum 182 echte Treffer, eine Suche nach der Phrase Kriegsminister Karl-Theodor zu Gutenberg auf google.de ergab am 22. MĂ€rz 2011 328 echte Treffer.
cite-note-4343. ↑ Beispielsweise bringt Leinfellner (1971) unzĂ€hlige Beispiele fĂŒr politische Euphemismen aus dem angelsĂ€chsischen Sprachraum und die Arbeiten der australischen Autoren Allen und Burridge (s. Literatur) beschreiben eingehend das Wesen des Euphemismus anhand englischsprachiger und (am Rande) anderssprachiger Belege aus verschiedenen Bereichen. Des Weiteren sind unzĂ€hlige sprachgeschichtliche Beispiele an Ersatzbezeichnungen fĂŒr tabuisierte Dinge aus vielen indogermanischen Sprachen Europas und Asiens zu finden bei Havers (1946). Dazu auch: „Der Euphemismus ist eine allen natĂŒrlichen Sprachen eigene Kompensationsstrategie, mit deren Hilfe Tabuwörter umgangen werden können.“ (Zöllner 1997, S. 54)